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Fussgängerenglish version

23 Fußgängerunfälle sind oft durch besonders schwere Verletzungen gekennzeichnet. Als typische Verletzung gilt die Schädelhirnverletzung, welche durch den Anprall an das Fahrzeug entsteht. Bisher wurde meist von einem Anprall des Kopfes an die Motorhaube ausgegangen. Diese Erkenntnisse stammen zumeist aus Dummy-Versuchen oder mathematischen Simulationen. Bis zum heutigen Tag werden diese im Labor gewonnenen Ergebnisse eingesetzt, um z.B. Sicherheitsstandards für Fahrzeuge zu definieren. Allerdings ist unklar, ob diese Ergebnisse dem realen Unfallgeschehen bei Fußgängerunfällen entsprechen oder nicht. Eine detaillierte Rekonstruktion realer Fußgängerunfälle sollte daher klären, wie Schädelhirnverletzungen des Fußgängers entstehen.

Die vorliegende Untersuchung wurde in Berlin, also in einem großstädtischen Umfeld, durchgeführt. Hier sind Fußgängerunfälle weitaus häufiger, was die Datenerhebung weitaus effizienter macht. Über einen 2-Jahreszeitraum wurden Fußgängerunfälle detailliert dokumentiert. Die Datenaufnahme begann direkt nach dem Unfall, also noch am Unfallort. Ein Team aus Ärzten der Unfallforschung Greifswald und Ingenieuren der DEKRA AG rekonstruierte dann die komplexen Unfallabläufe. Besonderes Augenmerk wurde auf den Anprall des Kopfes gelegt. In der nachfolgenden statistischen Auswertung konnten die typischen Anprallstellen des Körpers an das Unfallfahrzeug analysiert werden und jeweils mit einer bestimmten Verletzungsschwere korreliert werden.

24Es konnte gezeigt werden, dass der Kopf des Fußgängers meistens an die Windschutzscheibe prallt – und eben nicht auf die Motorhaube! Ein solcher Anprall ist darüber hinaus mit schwereren Verletzungen verbunden als ein Anprall an andere Fahrzeugteile. Andere frühere Ergebnisse aus Dummy-Versuchen und Computersimulationen konnten allerdings bestätigt werden. Dies gilt beispielsweise für den Anprall der Bauch-, Brust- und Hüftregion. Allerdings ist auch diese Anprallart nicht in europaweit gültigen Testnormen repräsentiert, obwohl die Mehrheit der verletzten Fußgänger schwerste Mehrfachverletzung mit Beteiligung von Kopf und Brust- oder Bauchregion aufweisen. Insgesamt verstarb fast ein Viertel der Fußgänger an den Folgen der Kollision. Ein wichtiges Ergebnis ist die Häufigkeit schwerer Verletzungen der Beine bei 62% aller Verletzten. Solche Verletzungen sind zwar selten lebensbedrohlich, führen aber oft genug zu bleibender Behinderung, Arbeitsunfähigkeit und einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität.

Aufgrund der Ergebnisse wird empfohlen, die gängigen Sicherheitsstandards bzw. Sicherheitstests zu ändern. Der typische Kopfaufprall an die Windschutzscheibe und der Anprall an Bauch und Brust müssen in das Testprotokoll aufgenommen werden. Nur dann bildet ein Sicherheitstest die tatsächliche, reale Unfallsituation ab! Weiterhin müssen konstruktionstechnische Lösungen gefunden werden, welche den harten Kopfanprall abfedern. Hier sind z.B. „hochschnellende Motorhauben“ zu nennen, welche den Körper vor Anprall an die Windschutzscheibe abbremsen.

Aktuelles vom 03.05.2012

Die neueste Publikation der Unfallforschung Greifswald…


27…untersucht den für die Unfallrettung so wichtigen Umstand einer richtigen Einschätzung der Verletzungsschwere direkt am Unfallort. Am Unfallort sieht sich der Notarzt oftmals einer überwältigenden Zahl von Informationen ausgesetzt und muss daraus in kürzester Zeit die entscheidenden Informa... mehr