Motorradunfälle
Aus den eigenen Unfalldaten konnten 66 schwere Motorradunfälle untersucht werden, wobei 7 Fahrer tödlich verunglückten. Fast alle Verunglückten waren männlich, über drei Viertel waren unter 30 Jahren alt. Allein 30% aller Unfälle im Jahresverlauf passierten im Monat Mai, also kurz nachdem eine Vielzahl von Fahrern ungeübt aus der Winterpause kommt. Innerhalb einer Woche geschehen die meisten Unfälle an wochenend-nahen Tagen und hier vor allem in den späten Nachmittags- und Abendstunden.

In einer strukturierten psychologischen Befragung, die insbesondere Risikobereitschaft im Straßenverkehr misst, schnitten Motorradfahrer schlechter als alle anderen Verkehrsteilnehmer ab. Als Ursache dieses Verhaltens konnte die Untersuchung die Suche nach einer Herausforderung und Bekämpfung von Langeweile feststellen. Es zeigte sich, dass Fahrer mit wenig Fahrerfahrung häufiger einen Unfall auslösen als solche mit mehr Erfahrung. Es konnten zwei typische Unfallmechanismen identifiziert werden: der innerörtliche Unfall im Kreuzungsverkehr oder beim Abbiegen, wobei hier mehrheitlich der Unfallgegner schuldig ist. Zweitens der außerörtliche Hochgeschwindigkeitsunfall beim Überholen oder durch individuelle Fahrfehler. Schuldig ist hierbei meistens der Motorradfahrer. Ein erschreckendes Ergebnis war, dass nur 15% der verunglückten Personen einen Vollschutzkombi inklusive Handschuhe und Stiefel trug. Umgekehrt trugen 17% keinerlei Schutzausrüstung. Hier bietet sich ein sinnvolles Feld für Präventionsmaßnahmen und ggf. eine gesetzliche Neuregelung, welche zumindest einen Mindestschutz-Standard vorschreibt.

Typische Verletzungen des Motorradfahrers sind schwerste Kopfverletzungen und schwere Verletzungen der unteren Extremität. Eine Besonderheit des Motorradunfalls stellt der so genannte Mehrfachanprall dar. Im zeitlichen Ablauf des Unfalls kann es hier zu verschiedenen Kollisionen, z.B. an der gegnerischen Motorhaube oder der B-Säule, am eigenen Tank oder Lenker. Zuletzt folgt ein harter Aufprall auf die Strasse und das Rutschen ueber den rauhen Asphalt. Dies ist ein Hauptgrund, weshalb bei immerhin bei einem Viertel der Verunglückten ein so genanntes Polytrauma, also eine schwerste Verletzung mehrerer Körperteile, diagnostiziert wurde. Diese stellen eine besondere Herausforderung an die Rettungsteam und können nur in spezialisierten Traumazentren behandelt werden. Folglich ist hier oft ein Rettungshubschrauber zum Transport über lange Strecken erforderlich. Da Motorradfahrer im Vergleich zu Pkw-Insassen durch wenig Pufferzonen geschützt sind, wird die gesamte Unfallenergie auf den Körper eingeleitet. Auch dies ist ein Grund für die hohe Verletzungsschwere, insbesondere bei Kollisionen außerhalb geschlossener Ortschaften.
In einer weiteren Untersuchung wurden Unfallzahlen des Statistischen Bundesamtes aus den Jahren 1994-2006 untersucht. Hier zeigte sich, dass infolge einer starken Zunahme der Zulassungszahlen kein spürbarer Rückgang der Unfalltoten zu messen ist. Allerdings ist dass Risiko, an einem einzelnen Unfall zu versterben deutlich gesunken, wie auch bei Pkws, Mopeds und Mofas. Am geringsten war der Rückgang der Toten im Vergleich zu Neuzulassung in der Gruppe der Moped und Mofafahrer. Insbesondere der innerörtliche Unfall schwach motorisierter Zweiräder muss in Zukunft intensiv erforscht und Gegenmaßnahmen entwickelt werden.